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Lebenserwartung wächst: Wir werden immer älter

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Lebenserwartung wächst: Wir werden immer älter

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Lebenserwartung wächst: Wir werden immer älter

Beitragvon Oliver » Do 6. Sep 2012, 12:55

Lebenserwartung wächst: Wir werden immer älter. Wer heute ein Kind ist, kann mit
einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 90 Jahren rechnen
Die Lebenserwartung in Deutschland steigt und steigt. Mit Perspektiven für die deutlich wachsende Zahl
immer älterer Menschen tut sich die Gesellschaft jedoch schwer. „Wir haben dafür keine Vorbilder“, sagt
der wissenschaftliche Geschäftsführer des Dortmunder Instituts für Gerontologie, Eckart Schnabel. Er
warnt davor, die alternde Gesellschaft auf Kranke und Pflegefälle zu reduzieren: „Die meisten Alten leben
noch in einer gewissen Unabhängigkeit.“ Gerhard Reutter vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung
stellt fest: „Die Betriebe haben den demographischen Faktor bisher noch kaum berücksichtigt.“
Ein jetzt ein oder zwei Jahre altes Mädchen kann nach einer neuen Modellrechnung des Statistischen
Bundesamtes mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von bis zu 90,4 Jahren rechnen. Damit
hätte diese Frau noch rund 25 Jahre vor sich, wenn sie mit 65 Jahren in den Ruhestand ginge.

Gesellschaft noch nicht vorbereitet
Bei einem Mann des Jahrgangs 2004 wären es noch fast 20 Jahre. „Was machen wir mit dem ganzen
Potenzial? Auf diese Frage ist die Gesellschaft noch gar nicht vorbereitet“, stellt Schnabel fest. Derzeit
arbeiteten von den Beschäftigten mit mittlerer Qualifikation im Alter von 55 bis 64 Jahren nur noch etwa
40 Prozent. Sie hätten künftig rein rechnerisch noch 30 oder 40 Jahre vor sich: „Eine unglaubliche Zeitspanne.“
„Es ist eine große Herausforderung für die Betriebe, die über 50-Jährigen viel stärker ins Boot zu
holen“, sagt Reutter. Dafür gebe es bislang jedoch bloß einige Modellversuche. Vor allem kleinen und
mittleren Unternehmen fehle eine strategische Personalpolitik. Sie wüssten zwar, dass sie in wenigen
Jahren ihre Fachkräfte nicht immer neu schöpfen könnten, „viele wissen aber selbst nicht, wo sie in zwei
Jahren am Markt stehen“.
Reutter verlangt ein neues Lernverständnis. „In vielen Betrieben wird der, der lernt, immer noch
als defizitär begriffen, nach dem Motto: ‚Der hat es nötig’, statt zu begreifen, wie notwendig das Lernen
ist.“

Weiterbildungen sollen älteren Arbeitnehmern helfen
Um ältere Arbeitnehmer länger in den Betrieben halten zu können, müsse es mehr Weiterbildungsangebote
geben, die neben fachlichen Fragen etwa auch Stressbewältigung mit einbezögen, sagt Bernd Passens
vom Deutschen Volkshochschul-Verband. Für die Zeit nach dem Erwerbsleben seien Angebote wichtig,
die gesellschaftliches Engagement ermöglichten. Außerdem seien Fortbildungen über Service- und
Unterstützungsangebote für ein langes Leben in der eigenen Wohnung gefragt.
Alterspsychotherapeut Hartwig Wennemar betont: „Das Vorbereiten aufs Alter ist enorm wichtig.
Viele gehen einfach aus dem Beruf raus und haben plötzlich nichts.“ Mit geistiger und körperlicher Beschäftigung
nach dem Erwerbsleben ließen sich nicht nur viele Altersdepressionen verhindern, sondern
auch Zufriedenheit erlangen. „Entscheidend ist nicht die Frage, wie alt werde ich, sondern wie werde ich
alt.“ Das Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologen rät: Initiative ergreifen, sich bloß nicht hängen
lassen, eigene Fähigkeiten selbstbewusst in einem neuen Umfeld einbringen und soziale Kontakte
knüpfen. „Man kann im Alter sehr zufrieden sein, wenn man was dafür tut. Dabei ist die gelebte Vergangenheit
die Wegzehrung für die Zukunft.“


Neue Wohnformen für Ältere finden
Die Gesellschaft brauche neue Organisationsformen, ist Schnabel überzeugt. „Wir müssen alte Begriffe
wie Solidarität, Engagement und Koproduktion ein bisschen entstauben und mit Inhalt füllen.“ Als Beispiele
nennt er die Unterstützung von Nachbarn und neue Lebensformen wie Senioren-
Wohngemeinschaften oder Häuser, in denen mehrere Generationen unter einem Dach Platz haben. Soziale
Dienstleistungen müssten zudem stärker auf ihre Qualität überprüft werden: „Wie effektiv sind sie? Ist
der Ressourcenverbrauch angemessen? Und sind sie wirklich am Patienten orientiert?“
Damit die Kosten im Gesundheitssystem mit dem wachsenden Anteil immer älterer Menschen
nicht völlig ausuferten, komme es darauf an, schon vom Kindergarten an Präventionsmodelle zu erarbeiten,
fordert Schnabel. Derzeit würden im Gesundheitswesen beispielsweise 15 Prozent für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen ausgegeben - Krankheiten, bei denen eine gesunde Lebensweise viel verhindern könne. „In
die Prävention fließen aber nur 4 Prozent.“

(dpa/ BabyundFamilie.de vom 21. April 2006)
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