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Das Heilpädagogische Reiten

alles über Tiere. Tierhaltung im allgemeinen und über Therapien mit Tieren.

Das Heilpädagogische Reiten

Beitragvon Oliver » Do 6. Sep 2012, 12:50

Was ist heilpädagogisches Reiten, warum und wofür einsetztbar. Literatur.





Das Heilpädagogische Reiten (HPR)



Vorwort:

Das Heilpädagogische Reiten wird immer mehr Bestandteil der therapeutischen Arbeit in Einrichtungen. Auch in meinem Bekanntenkreis kenne ich Personen die dieses in ihrer Institution anbieten und viele Erfolge zu verzeichnen haben. Leider ist die Haltung von Pferden ein teures unterfangen und sehr Zeitaufwendig. Viele Erzieher oder Pädagogen haben nicht die nötige Qualifikation diesen Bereich praktisch durchzuführen. Außerdem sind die Zusatzausbildungen recht teuer. Selten wird sie finanziell unterstützt. Zum Anderen haben Einrichtungen oft einfach keinen Platz, um sich so große Tiere halten zu können.

Für diesen Bericht verwendete ich vor allem Literatur von KAUNE und GÄNG. Sie gehören zu den führenden Schriftstellern aus dem Bereich des HPR. Die Bücher sind auch für Laien leicht Verständlich und führen die wesentlichen Dinge kurz aber sehr informativ auf.




1.Das Pferd, als Medium, in den Bereichen der Medizin, der Pädagogik und des Sports.

Um zu verdeutlichen, in welchen Bereichen das Pferd als Medium eingesetzt werden kann, und welche Unterschiede es dort gibt, führe ich als erstes kurze Definitionen auf. Dieses soll dem besseren Verständnis dienen.

1.1.Das Therapeutische Reiten
Therapeutisches Reiten dient als Sammelbegriff für die drei Bereiche Hippotherapie, Heilpädagogisches Reiten/Voltigieren, und Reiten als Sport für Behinderte. Diese machen sich das Pferd als Medium zu nutze, in den Gebieten: Medizin, Pädagogik/Psychologie und Sport. Die Bereiche stehen jedoch nicht isoliert voneinander, sondern fließen ineinander über. Auch treten Parallelen zum klassischen Reitsport, zum Beispiel Leistungssport, auf. (Vgl. KAUNE, S. 12)


1.1.1. Definition: Hippotherapie
Die Hippotherapie ist dem Gebiet der Medizin zuzuordnen. Sie wird vom Arzt verschrieben und vom Krankengymnasten (eine Zusatzausbildung ist erforderlich) durchgeführt. Die Hippotheraphie macht sich die bereits seit dem vorherigen Jahrhundert bekannte Tatsache zunutze, dass im Schritt gehende Pferde einem dem menschlichen Bewegungs-Rhythmus identischen Gang haben. Das Empfinden für Rhythmische Fortbewegung wird gestärkt und trainiert. Die Muskeln werden gelockert und aufgebaut. Der Patient kann so ein normales Gehen (wieder-) erlernen. (Vgl. KAUNE, S. 12 ; File://C:/Eigene Dateien/heipreiten.htm)


1.1.2a. Definition Heilpädagogisches Reiten
Beim Heilpädagogischem Reiten sitzt die Person mit/ohne Sattel oder Longiergurt selbständig auf dem Rücken des Pferdes. Der Reiter wird entweder geführt oder reitet wenn möglich selbständig.

1.1.2b. Definition: Heilpädagogisches Voltigieren
Beim Voltigieren wird das Pferd, mit einem Longiergurt und Ausbinder ausgestattet. An einer ca. zehn Meter langen Leine, der Longe, longiert der Leiter das Pferd um sich herum. Die Klientel vollführt auf dem gehenden Pferd gymnastisch-turnerische Übungen. Es können Einzel- oder Grüppenübungen vollführt werden.

In diesen beiden Fachbereichen des Therapeutischen Reitens steht nicht der Sport, sondern die individuelle Förderung des einzelnen im Vordergrund. (Vgl. KAUNE, S13)


1.1.3.Definition: Reiten als Sport für Behinderte
Menschen mit Behinderungen sind oft in Ihrer Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt. Daher können viele Sportarten oft nicht durchgeführt werden. Dieses Problem trifft auf Reiten nicht zu. Mit speziellen Hilfsmittel (Haltegurte etc.) ist es jedem möglich, alle Sparten des Reitsports auszuüben. Dazu gehören die Dressur, das Springen, Geländereiten, Fahren und Voltigieren. (Vgl. HEIPERTZ-HENGST, S. 10f.)




2. Das Heilpädagogische Reiten

Wie schon im Vorwort aufgeführt möchte ich mich nun mit dem Thema: “Heilpädagogisches Reiten“ beschäftigen. Zuerst möchte ich die Frage klären, warum die Anschaffung eines so zeitaufwendigen und teuren, Medium Pferd, besser sein soll, als andere Therapiemaßnahmen.


2.1.Warum ein so kostenaufwendiges Medium wie das Pferd?

MARIANNE GÄNG (1983,S.11) beschreibt dies wie folgt:
„Pferde sind in ihrem Verhalten weitgehend konstant, also verläßlich und in Erziehungsprozesse einplanbar. Pferde verändern ihr Verhalten auch kaum, wenn sie inmitten einer lebhaften Kinderschar sind. Pferde sind „einfühlsam“, „rücksichtsvoll“, bleiben z. B. stehen wenn sie spüren, dass ein Kind von ihrem Rücken herunterzufallen droht. Pferde haben ein feines Gespühr für Stimme und Stimmungen. Sie zeigen Angst, Ungeduld, Unruhe oder reagieren auf falsche Behandlung. Dadurch fordern sie das Kind zum Handeln, zum Reagieren auf. Pferde zeigen gegenüber dem Menschen Zurückhaltung. Diese Eigenschaft ist gegenüber sozial gestörten Kindern besonders wichtig. Pferde biedern sich nicht an, sondern lassen sich umwerben. Um so stärker ist dann das Erlebnis ihrer Zuneigung. Das Kind wird zu aktivem Beobachten und sich-Einfühlen genötigt. Pferde reagieren Artgerecht. Sie können sich nicht verstellen. Pferde reagieren nicht menschlich: Sie rächen sich nicht, sie Strafen auch nicht. Sie sind gutmütig (können aber auf schlechte Erfahrungen negativ reagieren. Diese Erfahrung ist für Kinder besonders wichtig. So erfahren sie, dass ihr abweichendes Verhalten nicht unbedingt und überall aggressive Reaktionen hervorruft.“

Dieses Zitat macht schon sehr deutlich welche positiven Eigenschaften die Pferde mitbringen, um Verhalten des Klientels zu beeinflussen. Trotzdem möchte ich noch weitere Aspekte mit aufführen, die ich auch noch für wichtig halte. Pferde Widersprechen einem nicht ständig. Sie Tadeln und Belehren einen nicht. Tiere im allgemeinen sind keine Kuscheltiere. Sie können Schmerzen haben und müssen gegebenenfalls Ärztlich behandelt werden. Sie benötigen Fellpflege, Futter, Wasser und einen trockenen Schlafplatz, sie möchte gekrault werden, brauchen aber auch Ruhe für sich. Die Klientel können diese Bedürfnisse auf sich und vorallem auch auf andere Übertragen. Dieses hilft mit sich und der Umwelt besser in Einklang zu kommen.



2.2.Welche Klientel profitieren vom Medium Pferd?

Nach KAUNE (S.13f.) profitieren Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit folgenden Defiziten vom Heilpädagogischem Reiten:
-Lernbehinderungen
-Geistige Behinderungen Verhaltensauffälligkeiten
-Störungen in der emotionalen Entwicklung (Beziehungsprobleme)
-Störungen in der Bewegung und in der Wahrnehmung
-Sprachbehinderungen
-Autistische Verhaltensweisen
-psychische Störungen
-psychische und psychosomatische Erkrankungen

Die Klientel einer Einrichtung wie das Heim, weisen häufig unterschiedliche Defizite auf. Mit anderen Therapieformen kann immer nur individuell auf ein Kind eingegangen werden, da diese speziell auf dieses ausgerichtet wurde. Das HPR bietet unterschiedlichsten Defiziten paroli. Darum kann die Klientel gemeinsam gefördert werden. Das Reiten wird dadurch mehr zur Freude betrieben, und nicht als Therapie erkannt. Den Kindern wird nicht so klar, dass das Reiten den Sinn hat Defizite zu beseitigen. Sie werden also nicht immer auf ihre Schwächen hingewiesen. Zudem bleiben Hänseleien wie „Na, mußt du wieder zur Klapsenmutti“ o.ä. aus.


2.3.Welche Ziele werden verfolgt?

Das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten zeigt folgende Ziele auf:

1. Förderung im Individuellen Bereich
-Umgang mit Ängsten
-Erarbeiten von Frustrationstoleranz
-Förderung von Vertrauen
-Erfahren von Selbstwirksamkeit und Selbstwertgefühl
-Erlernen angemessener Selbsteinschätzung
-Aufbau von Konzentration
-Training der sensorischen Integration
-Reintegration von Körperleben und Handeln

2.Förderung im sozialen Bereich
-Einstellung auf dem Partner Umgang mit Antipathien
-Abbau von Aggressivität und Umgang mit Aggressionen
-Förderung Kooperativen Verhaltens


KAUNE zeigt noch zusätzliche folgende Förderbereiche auf:

1.Förderung im sensomotorischen Bereich
-Gleichgewichtsschulung
-Gesamtkörperkkoordination
-Körperbewußtsein
Imago
Schema
Begriff
-Raumlageorientierung
-Wahrnehmung
visuell
audiativ
taktil
olfaktorisch

2. Förderung im sozial-emotionalen Bereich
-Aufbau von Vertauen
-Aufbau von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl
-Abbau von Aggressionen
-Eingestehen und Überwinden von Ängsten
-Aufbau von Verantwortungsbewußtsein
-Kontaktaufnahme und Einstellung auf den Partner
-Entwicklung und Förderung von kooperativen Verhalten

3. Förderung im kognitiven Bereich:
-Sprechbereitschaft
-Sprachverständnis
-Sprachfähigkeit
-Begriffsbildung
-Förderung der Merkfähigkeit
-Entwicklung von Lern- und Leistungsbereitschaft
-Aufbau und Verbesserung der Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit
-Entwicklung des Durchhaltevermögens
-Entwicklung der Übertragungsfähigkeit



Literaturangabe


1. Bücher

GÄNG; MARIANNE (Hrsg.): Ausbildung und Praxisfelder im Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren. München (1995)

GÄNG; MARIANNE: Heilpädagogisches Reiten. München (1983)

HEIPERTZ-HENGST, CHRISTINE: Reitsport für Behinderte. Lübeck (1980)

KAUNE; WILHELM: Das Heilpädagogische Voltigieren und Reiten mit geistig behinderten Menschen. Warendorf (1995)

KRÖGER; ANTONIUS: Partnerschaftlich miteinander umgehen. Warendorf (1997)


2.Sonstiges

DEUTSCHES KURATORIUM FÜR THERAPEUTISCHES REITEN E. V.: „Informationsmaterial“, Broschüren. Warendorf (1999)
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