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Psychofaktor Haustier: Was Zweibeiner von Vierbeinern haben

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Psychofaktor Haustier: Was Zweibeiner von Vierbeinern haben

alles über Tiere. Tierhaltung im allgemeinen und über Therapien mit Tieren.

Psychofaktor Haustier: Was Zweibeiner von Vierbeinern haben

Beitragvon Oliver » Do 6. Sep 2012, 12:49

Psychofaktor Haustier: Was Zweibeiner von Vierbeinern haben können – Haustiere
können die Psyche des Menschen stärken – Kranke mit Haustier gesunden schneller
als solche ohne


Der Arbeitstag war stressig, der Magen knurrt – und jetzt auch noch dieser Stau. Doch kaum dreht sich
zu Hause der Schlüssel im Schloss, miaut es hinter der Tür, und der Feierabend beginnt für den Katzenhalter
noch einmal neu. „Ein Haustier schafft Glücksmomente und kann die Bilanz zwischen Alltagsfreuden
und -ärgernissen zum Positiven verändern“, sagt Professor Reinhold Bergler, Psychologe an der Universität
Bonn. Doch ganz von allein funktioniert das nicht: Nur wer sich intensiv mit seinem Tier beschäftigt,
bekommt von ihm auch etwas zurück.
Zahlreiche Studien haben bewiesen: Haustiere können die Psyche des Menschen stärken und seinen
Gesundheitszustand verbessern. „Ein Tier animiert uns zum Sprechen, Lachen und Zärtlichsein. Es
aktiviert wohltuende Gefühle“, erklärt Bergler, der zugleich Vorsitzender des Forschungskreises „Heimtiere
in der Gesellschaft“ in Bremen ist. Im vergangenen Jahr fanden Forscher heraus, dass Haustierbesitzer
gesünder leben als Menschen ohne Tier: Die Tierfreunde gingen deutlich weniger zum Arzt.

Wichtig: eine liebevolle Beziehung

„Voraussetzung ist aber immer, dass zwischen Mensch und Tier eine liebevolle Beziehung herrscht“, sagt
Andrea Beetz, Psychologin aus Erlangen mit dem Schwerpunkt Mensch-Tier-Beziehung. Wenn jemand
seinen Hund zwar pflichtbewusst regelmäßig füttert und nach draußen führt, ihn aber ansonsten weitgehend
ignoriert, dann darf er auch keine positiven Effekte auf die Psyche erwarten.

Tiere bringen auf Trab

Wer dagegen viel Zeit mit seinem tierischen Gefährten verbringt, tut sich selbst etwas Gutes. „Tiere beruhigen
uns. Beim Streicheln einer Katze zum Beispiel sinkt die Atemfrequenz“, sagt die Tierverhaltenstherapeutin
Heidi Bernauer-Münz. Auch wer still seine Aquarienfische vorüberziehen sieht, entspannt
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sich. Doch Tiere bringen ihre Halter auch auf Trab. „Wer einen Hund hat, bewegt sich automatisch an der
frischen Luft“, so Bergler. Gerade bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, Blutdruck- oder Gelenkproblemen
könne ein Hund indirekt zur Genesung beitragen.

Natürliches Interesse an Tieren

Warum genau viele Menschen überhaupt gerne Tiere um sich herum haben, ist bis heute nicht geklärt.
Viele Experten können sich jedoch auf die so genannte Biophilie-Hypothese einigen: „Wir haben ein natürliches
Interesse an Tieren, weil sie uns – als Nahrung, Nutztier oder Bedrohung – in unserer Entwicklungsgeschichte
immer begleitet haben“, erklärt Psychologin Beetz. Die Sehnsucht nach der Natur sei tief
im Menschen verankert, ergänzt Bernauer-Münz. „Mit einem Hund oder einer Katze holen wir die Natur
nach Hause.“

Lernen, auf andere einzugehen

Unbestritten ist, dass Kinder durch den Umgang mit Haustieren lernen, auf die Bedürfnisse anderer Lebewesen
einzugehen. „Tiere stärken ihr Verantwortungsbewusstein und fördern die kindliche Kommunikation“,
erläutert Bernauer-Münz. Dabei müsse es nicht unbedingt eine Katze oder ein Hund sein. Gerade
für kleinere Kinder eigneten sich auch Kaninchen oder Meerschweinchen.

Dank Hund: Besser in der Schule

Laut Bergler fällt vielen Kindern das Lernen leichter, wenn ein Hund bei ihnen ist. Das belegten wissenschaftliche
Beobachtungen: „Die schulischen Leistungen in der Vergleichsgruppe der Schüler mit Hund
verbesserten sich deutlich.“ Wenn der Hund neben dem Kind auf dem Boden liegt, entsteht eine Atmosphäre
der Ruhe und Stetigkeit. „Die Anwesenheit des Hundes diszipliniert und motiviert das Kind.“

Therapie mit Tier

Nicht nur in den USA kommen Tiere in der Therapie zum Einsatz. „Auch in Deutschland gibt es verschiedene
Ansätze mit Tieren“, sagt Bernauer-Münz. So nehmen manche Psychologen Hunde mit in die Praxis,
weil sie eine ruhige und natürliche Atmosphäre schaffen. Und in einem ungezwungenen Gespräch über
seinen Hund könne der Therapeut unter Umständen leichter ein Vertrauensverhältnis zum Patienten herstellen,
erklärt Beetz.
Das Institut für soziales Lernen mit Tieren in Wedemark (Niedersachsen) bietet Therapien für
geistig- und körperbehinderte Kinder an. Kontaktaufbau, Körpergefühl und Konzentrationsfähigkeit werden
beim Streicheln und Spielen mit Esel, Schaf oder Hund trainiert.
Behinderte erfahren häufig auch bei der Reittherapie ein neues Körperbewusstsein. Bei essgestörten
oder missbrauchten Jugendlichen kann der Umgang mit Pferden das Selbstwertgefühl steigern, so
Beetz. Ein wissenschaftlicher Beleg für den Erfolg der vor allem in den USA angebotenen Delfintherapien
steht laut Bergler noch aus. Dennoch gelten entsprechende Behandlungen als Möglichkeit, Störungen wie
Autismus zu behandeln.

Seltener einsam

„Wer ein Tier hat, fühlt sich seltener einsam“, sagt Andrea Beetz. Die stumme Akzeptanz, die Tiere Menschen
entgegenbringen, gebe es in der menschlichen Kommunikation nur selten. Nach dieser Kommunikation
sehnen sich viele Hundehalter allerdings trotzdem – und nicht selten ist es kein anderer als der
Vierbeiner, der sie anbahnt: Wer einen Hund hat, wird auf der Straße oder beim Bäcker öfter angesprochen,
sagt Bernauer-Münz. „Die Kontaktmöglichkeiten verbessern sich.“ Und vielleicht gehen nach dem
ersten kurzen Plausch über den Hund schon bald zwei Tierfreunde gemeinsam mit diesem spazieren.
(dpa/GesundheitPro.de vom 27. Mai 2005)
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