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Hornissenschutz-Keine Angst vor dicken Brummern

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Hornissenschutz-Keine Angst vor dicken Brummern

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Hornissenschutz-Keine Angst vor dicken Brummern

Beitragvon Oliver » Do 6. Sep 2012, 12:31

Hornissenschutz



EIN LEBEN FÜR DEN HORNISSENSCHUTZ

Keine Angst vor dicken Brummern

Sie töten mit sieben Stichen ein Pferd und mit dreien einen Erwachsenen! „Alles Quatsch“, räumt Konrad Schmidt energisch mit diesem weit verbreiteten Vorurteil über Hornissen auf. Vor vielen Jahren hat der heute 80-Jährige seine Leidenschaft für die nützlichen Insekten entdeckt und ist seitdem als unermüdlicher Aufklärer in Sachen Hornissen im Einsatz.
Hornissen sind friedliebende Tiere, die niemals ohne Grund angreifen. Und ihr Stich ist auch nicht gefährlicher als der einer Biene", betont Konrad Schmidt mit Nachdruck. In Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund (NABU) Münster hat der Ruheständler eine Hornissen-AG ins Leben gerufen und im Jahr 2002 eine Wanderausstellung konzipiert, die über die wahre Natur der Insekten aufklärt.

„Auf die Hornisse“ ist Konrad Schmidt über den Umweg der Naturfotografie gekommen. Sie war lange Zeit sein liebstes Hobby, ein Ausgleich zu seinem Beruf als Fagottist im Münsteraner Symphonieorchester. „Irgendwann habe ich beim Fotografieren gemerkt, was für ein außergewöhnlich schönes und faszinierendes Tier die Hornisse doch ist – und kann seitdem nicht mehr von ihr lassen“, erzählt Konrad Schmidt.

Leben für ein Jahr
Vor allem der Lebenszyklus der Hornisse hat es ihm angetan. Die Zeit von Mai bis Oktober ist für ihn und seine Hornissen-AG vom NABU Münster Hauptsaison, denn zu Beginn der warmen Zeit entstehen neue Hornissenvölker: Anfang Mai erwacht eine Hornissenkönigin aus ihrem Winterschlaf, den sie in einem sicheren Unterschlupf – etwa im Holz eines morschen Baumes oder in der Erde – gehalten hat. Sie sucht eine geeignete Stelle und beginnt mit dem Bau des Nestes. Da Baumhöhlen, ihr bevorzugter natürlicher Nistplatz, selten geworden sind, nimmt die Hornisse auch mit Nistkästen, Schuppen, Holzverschalungen an Häusern und besonders gerne mit Rollladenkästen vorlieb. Als Baumaterial dient morsches Holz, das sie mit Speichel zu einem klebrigen Brei vermengt. Nach und nach legt sie ihr Nest aus sechseckigen Wabenzellen an, in die sie jeweils ein Ei legt. Zunächst sind es 40 bis 50 Eier, aus denen nach rund fünf Wochen ausschließlich weibliche Hornissen, die so genannten Arbeiterinnen, schlüpfen. Die Arbeiterinnen versorgen den stetig wachsenden Hornissenstaat mit Nahrung und ziehen die Brut auf – ein harter Job, denn im Laufe eines Sommers kann eine Hornissenkolonie bis zu 600 Tiere zählen.
Zum Ende des Sommers legt die Königin nur noch Eier, aus denen entweder männliche Tiere, die so genannten Drohnen, oder Jungköniginnen schlüpfen. Anfang Oktober verlassen Drohnen und Jungköniginnen das Nest. Die Drohnen befruchten Jungköniginnen anderer Hornissenstaaten, die Jungköniginnen wiederum lassen sich befruchten. Nach getaner Arbeit sterben die Drohnen, ebenso die Arbeiterinnen und spätestens Anfang November ist der Hornissenstaat mitsamt der ehemaligen Königin ausgestorben. Nur die befruchteten Jungköniginnen überleben und suchen sich einen Unterschlupf für den Winterschlaf – wo sie im folgenden Frühjahr erwachen, um ihren eigenen Staat zu gründen.

„Handgreiflicher“ Artenschutz
Die emsige Betriebsamkeit der Tiere während ihres kurzen Lebens, der sorgfältige Umgang mit der Brut und ihre Schönheit – „all das muss man doch den Menschen vermitteln und ihnen die Angst vor den Hornissen nehmen“, findet Konrad Schmidt. „Viele halten Hornissen immer noch für gefährlich und vernichten Nester schon im Anfangsstadium, vor allem, wenn sie an oder in der Nähe von Häusern sind. So haben die Tiere keine Chance mehr, einen Staat zu gründen“, beklagt der Ruheständler. Aufklärung ist daher wichtigstes Ziel von Konrad Schmidt und seiner Hornissen AG. „Es muss viel bekannter werden, dass Hornissen sehr nützliche Tiere sind“, pflichtet Karin Rietmann, hautptamtliche Geschäftsführerin des NABU Münster bei, „denn sie verfüttern Spinnen, Fliegen, Wespen und andere für den Menschen lästige Insekten an ihre Brut!“ Für Kuchen, Limonade und Co. interessieren Hornissen sich übrigens kein bisschen – sie würden also nie eine gemütliche Kaffeetafel „stürmen“ wie die Wespen im Sommer. Also verfassen die Münsteraner Broschüren, bearbeiten eine eigene Internetseite zum Hornissenschutz und schicken ihre Ausstellung auf Wanderschaft. Und sie werden im wahrsten Sinne des Wortes handgreiflich. „Wir bauen für die Hornissen eigene Nistkästen, die wir an günstigen Stellen, zum Beispiel am Waldrand – aufhängen“, erzählt Konrad Schmidt. Wenn Privatleute auf ihrem Grundstück ein Hornissennest bemerken, können sie sich beim NABU Münster melden – „Wir versuchen die Leute davon zu überzeugen, dass mit den Hornissen ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Gelingt uns das nicht und das Hornissennest wird unter keinen Umständen geduldet, können sie bei der Unteren Landschaftsbehörde die Genehmigung für eine Umsiedlung einholen. Diese wird dann vom NABU Hornissenschutz durchgeführt, damit der Staat an anderer Stelle weiter existieren kann.“, erzählt Karin Rietmann.

Ausgezeichnetes Ehrenamt
Die Stadt Münster und der NABU sind froh über so viel Engagement: 1999 erhielt Konrad Schmidt die Münster-Nadel für besonders verdiente Ehrenamtler und im Jahr 2001 die silberne Ehrennadel des NABU in Nordrhein-Westfalen. Auch die Familie ist stolz auf so viel Einsatz, auch wenn sie manchmal zurückstecken musste bei dem zeitaufwändigen Hobby des Vaters. „Doch meine Frau Erika hat mein Interesse für die Insekten Gott sei Dank immer toleriert“, lacht der Rentner, „dafür bin ich ihr sehr dankbar.“ Und seine Kinder hat Konrad Schmidt mit seiner Leidenschaft schon angesteckt: Sohn Roger und Tochter Nicole sind ebenso begeisterte Naturfotografen wie ihr Vater.
Weiterführender Link zum NABU Münster
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