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Umweltbildung im Rahmen wirtschaftsberuflicher Bildung

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Umweltbildung im Rahmen wirtschaftsberuflicher Bildung

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Umweltbildung im Rahmen wirtschaftsberuflicher Bildung

Beitragvon Oliver » Sa 8. Sep 2012, 23:22

Kaiser, Franz-Josef / Brettschneider, Volker: Reflexionen zur Vermittlung von Umweltkompetenz im Rahmen wirtschaftsberuflicher Bildung:

Ausgangsbasis:
• Die Vermittlung von Umweltkompetenz im Rahmen wirtschaftsberuflicher Bildung steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz ( à neuer Qualitätsbegriff ).
• Nach Reetz finden Schlüsselqualifikationen ihren Ausdruck fächerübergreifenden per-sonenbezogenen Kompetenzen:
• Einstellungen, Haltungen, Wertorientierungen der Persönlichkeit à z.B. Leistungs-motivation, Selbständigkeit etc..
• Kognitiv bestimmte Leistungsfähigkeiten à z.B. Abstraktionsfähigkeit, Problemlö-sungsfähigkeit etc..
• Kommunikativ bestimmte Fähigkeiten à z.B. Kooperationsfähigkeit, Verhandlungs-fähigkeit, Konfliktfähigkeit etc..
• Darauf aufbauend unterscheidet Reetz folgende Komponenten von Handlungskompetenz:
• Selbstkompetenz
• Sachkompetenz
• Methodenkompetenz
• Sozialkompetenz

Grundannahmen und Konzeption wirtschaftsberuflicher Umweltbildung im Rahmen des Modellversuches LUKAS:
• LUKAS à Lernprogramm zur Umweltbildung an kaufmännischen Schulen.
• Grundannahme à Die Entwicklung und Förderung umweltbezogener Handlungskompe-tenz ist ein ganzheitlicher Prozeß, der alle Persönlichkeitsbereiche der Lernenden umfaßt à wirtschaftsberufliche Umweltbildung wird somit als Teil der Bildung des Menschen verstanden, wobei die Persönlichkeitsbildung im Mittelpunkt steht.
• Zielgruppe des Modellversuches à Höhere Handelsschule und Ausbildungsberuf Kauf-mann im Einzelhandel.
• Im Rahmen des Projektes wurden Unterrichtseinheiten als Unterrichtshilfen entwickelt, die es Lehrern und Schülern an kaufmännischen Schulen ermöglichen sollten, Umwelt-fragen systematisch in ihrer schulischen Arbeit zu berücksichtigen.
• Problem à umweltrelevante Themen spielen in den entsprechenden Ausbildungsordnun-gen und Rahmenlehrplänen nur eine untergeordnete Rolle. Ferner verfügen sowohl Lehrer als auch Ausbilder nicht über entsprechende Kenntnisse.
• Wichtig war der Projektgruppe insbesondere, die Verbindung von Ökologie und Öko-nomie herzustellen, so daß die Umweltfragen insbesondere in den berufsbezogenen Fä-chern eine Rolle spielen.
• Die Aufgabe, für die berufsbezogenen Fächer Unterrichtshilfen zu entwickeln wurde da-durch erschwert, daß in den Wirtschaftswissenschaften erst Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre ein ökologisches Problembewußtsein entwickelt wurde ( für die BWL sogar erst Ende der 80er Jahre ).
• Die Unterrichtshilfen wurden so konzipiert, daß sie gleichzeitig Hilfen für einen hand-lungsorientierten Unterricht bieten ( Umweltbildung ist in starkem Maße auf die HO an-gewiesen ).
• Konkrete lag dem Modellversuch folgende Problemstellung zugrunde à In den letzen Jahren sind zwar verschiedene Bemühungen angelaufen, die Umweltbildung in die Aus-bildungsprogramme beruflicher Aus- und Fortbildung einzubeziehen. Ferner greifen die beruflichen Schulen inzwischen umweltschutzrelevante Inhalte in unterschiedlichen Fä-chern zunehmend auf. Bislang fehlt jedoch die Einbindung umweltschutzrelevanter Inhal-te in berufliche Bildungsgänge, bei der
• Möglichkeiten der systematischen Integration in das schulische Curriculum aufge-zeigt werden und
• neben der Vermittlung von Umweltwissen und Umweltbewußtsein berücksichtigt wird, daß vor allem die Bereitschaft der Schüler geweckt werden muß. An der Lösung von Umweltproblemen im Berufsleben und im privaten und öffentlichen Bereich aktiv mitzuarbeiten.
à Insgesamt soll Umweltbildung Kompetenzen vermitteln, die neben Umweltwissen und Umweltbewußtsein auch zum Denken und Handeln in komplexen Situationen befä-higen. Das bedeutet, daß Umweltbildung nicht als zusätzliches Lernfeld / Lehrfeld ver-standen werden sollte, sondern daß sie durchgängig in die berufliche Bildung einge-bunden und konsequent im Zusammenhang mit ökonomischen Fragestellungen behan-delt werden sollte à systematische Integration in die Lehrpläne ( = integrativer An-satz ).

Umweltkompetenz als Teil beruflicher Handlungskompetenz:
• Ziel wirtschaftsberuflicher Umweltbildung à Förderung der Urteils- und Handlungs-kompetenz à die Lernenden sollen befähigt werden, im Sinne des Vorsorge- und Ver-meidungsprinzips die komplexen Wirkungsbereiche und Entstehungszusammenhänge von Umweltproblemen zu erfassen.
• Es geht darum, Möglichkeiten der Konfliktbewältigung zwischen Ökologie und Ökono-mie zu schaffen und an ihrer Verwirklichung mitzuwirken.
• Angestrebt wird eine berufliche Umweltkompetenz im Sinne einer Handlungskompetenz unter Berücksichtigung der strukturellen Bedingungen ihrer Realisation. Zu bedenken sind in diesem Zusammenhang folgende Aspekte:
• Es geht um einen sachgerechten Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen, wo-bei zu berücksichtigen ist, daß die ökologischen Grenzen dieses Handelns im Einzel-fall äußerst schwierig zu bestimmen sind.
• Leitbilder umweltgerechten Handelns schwanken ferner von Beruf zu Beruf.
• Umweltbildung wird nur dann greifen, wenn sie den spezifischen Berufen und Aus-bildungssituationen entspricht.
• Umweltkompetenz kann als Teil der Handlungskompetenz beschrieben werden à der Kompetenzbegriff ist subjektbezogen.
• Umweltkompetenz wird als Element beruflicher und gesellschaftlicher Handlungskompe-tenz verstanden à Handlungskompetenz bestehend aus den „Teilkompetenzen“ für die Umweltthematik.
• „Berufliche Umweltbildung umfaßt die subjektiven Voraussetzungen für ein umweltge-rechteres Verhalten und Handeln in der Erwerbstätigkeit. Erst wenn objektive Vorausset-zungen und Rahmenbedingungen hinzutreten, entscheidet sich, ob und wie weit umwelt-gerechtes Handeln in der Erwerbstätigkeit möglich wird.“ ( nach Hedtke ):
• Wirtschaftsberufliche Umweltbildung ist immer in einen kulturellen Kontext eingebun-den, den es zu beachten gilt à ein FCKW-freier Kühlschrank kann aus unterschiedlichen Motiven gekauft werden ( Umweltschutz, Imagegründe, netter Verkäufer etc. ) à wirt-schaftsberufliche Umweltbildung hat daher die Aufgabe, verschiedene Auffassungen hin-sichtlich der Beurteilung von Umweltproblemen, unterschiedliche Motive umweltbezoge-nen Handelns etc. als kulturell geprägte Auffassungen zu berücksichtigen und den Lern-eden bewußt zu machen.

Ethische Grundlagen umweltgerechten beruflichen Handelns:
• Die Umweltfrage stellt sich auch als zentrales ethisches Problem dar.
• Als Fortschritt kann nur bezeichnet werden, was von den Bedingungen der Natur mitge-tragen wird.
• Fortschritt darf nicht mehr ohne Beachtung von Verantwortung für die Umwelt stattfin-den.
• Das umweltethische Fundament verantwortungsbewußten umweltgerechten Handelns sieht der Rat von Sachverständigen in den Prinzipien Personalität und Retinität.
• Personalität à anthropozentrisches Prinzip der Personalität = Sicherung der Sonderstel-lung des Menschen gegenüber anderen Lebewesen und der Natur à Menschen müssen sich deshalb ethisch verantwortungsbewußt verhalten. Im Gegensatz dazu steht der Begriff „Ökozentrik“ à Eigenrecht der Natur ( Problem à nur Menschen können Rech-te einklagen ).
• Retinität à der Mensch wird seiner Verantwortung gegenüber der Natur nur gerecht, wenn er die Gesamtvernetzung all seiner zivilisatorischen Tätigkeiten und Erzeugnisse mit dieser ihn tragenden Natur zum Prinzip seines Handelns macht.
• Retinität als entscheidende ökologische Schlüsselkompetenz beinhaltet folgende Fakto-ren:
• Kognition ( Denken in Zusammenhängen etc. ).
• Reflexion ( Hinterfragen des individuellen und gesellschaftlichen Handelns ).
• Antizipation ( Abschätzung künftiger Entwicklungen ).
• Partizipation ( Beteiligung ).
• Sloane sieht die Umweltbildung in einem Spannungsfeld zwischen Verantwortung ( subjektiv ) und Vorschrift ( objektiv ) à wichtig ist, woran sich die Menschen orien-tieren. Er geht davon aus, daß Umweltschutz in konkreten beruflichen Handlungen der-zeit eher im Bereich der eigenen Verantwortung liegt, während die Anforderungen der kaufmännischen Rationalität ( Vorschrift ) die ökologische Moral weitgehend aus dem beruflichen Handeln ausgrenzt.

Verhaltenswissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung der Diskrepanz zwischen Umwelt-bewußtsein und Umweltverhalten:
• Die Vermittlung von Umweltkompetenz hat sich immer auch mit dem Eigennutzen und der ökonomischen Rationalität des Handelns der Individuen zu befassen.
• Verhaltenstheorie à Menschen handeln ökonomisch und im Hinblick auf den eigenen Nutzen ( nicht immer gültig ).
• Ferner wird die Natur oftmals als öffentliches Gut betrachtet à Anreiz für jeden: Umweltleistungen in Anspruch nehmen, die Kosten der Bereitstellung bzw. Erhaltung jedoch vermeiden ( Trittbrettfahrer ) à Solange die Umwelt für den einzelnen nichts kostet, besteht kein Anreiz sie zu schützen.
• Selbst wenn für den Einzelnen der Umweltschutz wichtig ist, verhält er sich oft nicht entsprechend, da ihm sein Handeln nutzlos vorkommt, solange nicht alle Individuen ent-sprechend handeln.
• Wirtschaftsberufliche Bildung, die auf die Vermittlung von Umweltkompetenz abzielt, kann letztlich nur erfolgreich sein, wenn die schulischen Möglichkeiten nicht überschätzt und die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen sowie kulturellen Rahmenbedingungen durch die Politik so gestaltet werden, daß umweltbewußtes Handeln begünstigt und der Ein-zelne nicht überfordert wird.
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