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Interkulturelle und interreligiöse Bildung in Deutschlands Kitas

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Interkulturelle und interreligiöse Bildung in Deutschlands Kitas

Beitragvon Oliver » So 30. Dez 2012, 07:13

Interkulturelle und interreligiöse Bildung in Deutschlands Kitas

Viele Defizite in Sachen interreligiöser Bildung in Deutschlands Kitas diagnostiziert eine von der Stiftung Ravensburger Verlag geförderte und begleitete religionspädagogische Studie. Das breit angelegte bundesweite Forschungs- und Entwicklungsprojekt ermittelte erstmals repräsentative Daten zur interreligiösen und interkulturellen Situation in deutschen Kitas.
Das Wissenschaftlerteam an der Universität Tübingen befragte über 2.800 Erzieherinnen an 487 Kitas, interviewte Eltern und Kinder und entwickelte Empfehlungen für Praxis und Politik. Die Ergebnisse der Studie werden in Berlin in einer Fachtagung für 150 Verantwortliche aus Kita-Trägerorganisationen, Bildungs-, Sozial- und Jugend-Politik sowie Forschung präsentiert.

Tübinger Forschungsteam stellt erste Studie mit repräsentativen Ergebnissen vor
„Die Bevölkerungsstrukturen in Deutschland haben sich stark gewandelt. Integration und Toleranz gehören zu den wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit, um das friedliche Zusammenleben zu sichern. Möglichst früh, schon im Vorschulalter, sollten Kinder deshalb andere Kulturen und Religionen wahrnehmen, fremde Gewohnheiten und Rituale kennen lernen.“
Mit diesen Worten eröffnete Stiftungsvorsitzende Dorothee Hess-Maier die Berliner Fachtagung in der Landesvertretung Baden-Württemberg. Es sei durch dieses Forschungsprojekt gelungen, erstmals „ein repräsentatives, facettenreiches, differenziertes und für die Praxis nützliches Bild zur interkulturellen und interreligiösen Situation in deutschen Kitas und Kindergärten“ zu erhalten.


Wenn Schinkenbrot und Gummibärchen tabu sind
Den Ergebnissen der Studie zufolge findet in den Kindergärten in Deutschland interreligiöse und interkulturelle Bildung nicht in der erwünschten Verbreitung statt, wobei interkulturelle Bildung deutlich anerkannter ist als interreligiöse Bildung. In der repräsentativen Erzieherinnenbefragung gaben 84 Prozent an, in ihrer Gruppe Kinder mit Migrationshintergrund zu betreuen; mit Blick auf verschiedene Religionszugehörigkeiten waren es 77 Prozent. 58 Prozent der Erzieherinnen berichteten, dass Kita-Kinder aus religiösen Gründen bestimmte Lebensmittel nicht essen dürfen.


Kirche, Moschee und Synagoge besuchen
Das Thema finde auch in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit keine Beachtung, kritisiert das Tübinger Wissenschaftlerteam. Auch die neuen Orientierungs- und Bildungspläne der Bundesländer hätten am erheblichen Nachholbedarf wenig geändert.

Mittlerweile stammt jedes achte Kind in einer deutschen Kindertagesstätte aus einer muslimischen Familie. „Neben den üblichen Ausflügen zur Feuerwehr, in eine Backstube und auch in eine Kirche sollte deshalb ein Moschee- und Synagogenbesuch ebenso selbstverständlich sein“, fordert der katholische Religionspädagoge Professor Dr. Albert Biesinger.

Nur 7 Prozent der untersuchten Einrichtungen hätten einen Moscheebesuch im Programm.


Kindergärten gegenüber Grundschulen benachteiligt
„Wir dürfen nicht aus Angst vor Konflikten die Religionen aus den Kitas verbannen, sondern Religion als positive Ressource, nicht als Problemfaktor betrachten“, mahnt der evangelische Religionspädagoge Professor Dr. Friedrich Schweitzer. Weder Erzieherinnen noch Eltern seien auf die Herausforderungen interreligiöser Bildung in Kitas vorbereitet, obwohl bereits drei- und vierjährige Kinder religiöse Fragen stellen. Forschungsteamkollegin Akademische Rätin Dr. Anke Edelbrock erweitert den bildungspolitischen Blickwinkel noch: „Es macht keinen Sinn, möglichst vielen Grundschulkindern, seien sie christlich, muslimisch oder jüdisch, eine religiöse Begleitung zu garantieren, sie den Kindern im Elementarbereich aber zu verweigern.“

Empfehlungen zur interreligiösen Bildung in Kitas für Praxis und Politik
Die Wissenschaftler entwickelten einen Katalog von Empfehlungen zur interreligiösen Bildung in Kindertagesstätten, unter anderem folgende Punkte:
- Religiöse Feste im Kita-Alltag mit allen Kindern thematisieren: z. B. Advent, Weihnachten, ebenso Ramadan, Opferfest und Chanukka;
- Religionen erfahrbar machen, z. B. Geschichten aus Bibel und Koran vorlesen oder erzählen, gemeinsame Figuren wie Abraham, Mose und Jesus sichtbar machen;
- Kirchen, Moscheen, Synagogen mit allen Kindern besichtigen;
- Eltern im Erstgespräch auf religiöse Fragen und familiäre Prägungen ansprechen;
- Religiöse Kompetenz der Eltern nutzen: muslimische, christliche und jüdische Mütter und Väter einbeziehen;
- Vorurteilsbelastete Einordnungen nach der Religionszugehörigkeit vermeiden: Auch Familien gleicher Religion leben und gestalten diese in unterschiedlicher Weise;
- Interreligiöse und interkulturelle Bildung sollte zum festen Bestandteil von Fortbildungen und Ausbildungsplänen von Erzieher/innen werden;
- Nicht-konfessionelle Kita-Träger sollten Erzieher/innen klare Zielbeschreibungen bieten, denn häufig wissen diese nicht, wie sie sich zu religiösen Fragen verhalten sollen.

17 Vorreiter-Kitas von Aachen bis Dresden, von Bremen bis München
Das Praxis-Buch zum Thema erscheint im Februar 2012 unter dem Titel „Religiöse Vielfalt in der Kita“ (Cornelsen-Verlag). Darin werden 17 deutsche Kitas vorgestellt, in denen vorbildliche interreligiöse und interkulturelle pädagogische Arbeit geleistet wird. Diese Kitas befinden sich in den Städten Aachen, Augsburg (2), Bad Segeberg, Berlin, Bremen, Brühl, Dresden, Frankfurt am Main, Hamburg, Karlsruhe, Lübeck, Marl, Mainz, München, Offenbach und Reutlingen.

(Quelle: Ravensburger Stiftung)
Dateianhänge
Empfehlungen_interreligioese_Bildung.pdf
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interkulturelle-bildung-checkliste.pdf
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