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Kinderkrankheiten: Gefährlich für Erwachsene

Kinderkrankheiten: Gefährlich für Erwachsene

Beitragvon Oliver » So 7. Okt 2012, 10:05

Kinderkrankheiten: Gefährlich für Erwachsene

Vermeintliche Kinderkrankheiten wie Röteln, Masern und Windpocken bergen für Erwachsene Risiken. Dabei können Impfungen schützen

Röteln und Co. sind auch für Erwachsene kein Kinderspiel

Von allen im Jahr 2009 an Masern Erkrankten waren 31 Prozent älter als 20 Jahre, meldet die Fachzeitschrift Der Allgemeinarzt. Beim Ausbruch der Krankheit diesen Sommer in München grassierte das Virus verstärkt unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Im Dezember 2010 ­erkrankten plötzlich Studenten an Mumps. Und eine Krankenkasse gab bekannt: 75 Prozent ihrer Versicherten, die sich wegen Keuchhusten ­behandeln lassen, seien Erwachsene.

Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin bestätigen die Entwicklung: 1995 lag das Durchschnittsalter von Keuch­husten-Patienten bei 15,1 Jahren, 2008 bei 41,7 Jahren. Der ­Ausdruck „Kinderkrankheiten“ bildet längst nicht mehr die Realität ab.

Impflücken schließen

Als Grund für diese Entwicklung führen Experten zum einen an, dass mehr als 90 Prozent der Babys und Kleinkinder mittlerweile gegen diese Krankheiten geimpft werden und die Zahl der ­Infektionen dadurch abnimmt. Die Folge: Ungeimpfte stecken sich ebenfalls nicht an, entwickeln in jungen Jahren also auch durch die Erkrankung selbst keine Antikörper – und sind im Erwachsenen­alter ohne Schutz. Ein weiteres Risiko besteht, wenn im Kindesalter versäumte Impfungen nie nachgeholt und Auffrischungstermine vergessen werden. „Im Kleinkindalter besteht noch eine gute Anbindung an den Kinderarzt“, sagt Dr. Judith Koch, die für das Fachgebiet Impfprävention des RKI arbeitet. „Schon bei Jugendlichen treten dann aber ­Impflücken auf.“

Manchmal passiert dies sogar noch eher, wie die Auswertung der Schuleingangsuntersuchung 2008 zeigt: Die erste Masernimpfung erhielten 95,9 Prozent der Kinder, die zweite nur mehr 89 Prozent. Für eine Ausrottung der Krankheit wäre laut RKI aber eine Quote von 95 Prozent auch für die zweite Spritze notwendig.

Masern

Gegen diese Erkrankung impfen Ärzte heute meist mit einem Kombinationsstoff, der auch gegen Mumps und Röteln immunisiert. Die erste Injektion sollen Kinder zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat erhalten, die zweite bis zum zweiten Geburtstag. „Versäumte Impfungen sollten so bald wie möglich nachgeholt werden“, sagt Koch. Seit dem vergangenen Jahr empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und bisher nur eine oder eventuell gar keine Impfung bekommen haben, sich einmalig immunisieren zu lassen.

Weil Masern das Immunsystem stark schwächen, haben in der Folge Bakterien leichtes Spiel. Krankheiten wie Mittelohr- und Lungenentzündung können sich anschließen. In Entwicklungsländern sind es vor allem diese Folgeinfek­tionen, die noch immer Todesfälle durch Masern hervorrufen. Und: „Hat eine schwangere Frau Masern, kann das zu einer Fehlgeburt oder zur Infek­tion des Neu­geborenen führen“, warnt Dr. Michael Wojcinski, Frauenarzt in Bielefeld und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Impfen des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Röteln

Die meisten Schäden bei Ungeborenen rufen jedoch Röteln hervor – und zwar bei 90 Prozent aller Infektionen, die in den ersten acht Schwangerschaftswochen erfolgen, so das RKI. Die Krankheit kann Fehl- und Frühgeburten auslösen sowie Fehlentwicklungen an Ohren, Augen, am Gehirn und Herz des Babys. „Röteln in der frühen Schwangerschaft sind deshalb meist ein Grund zum Abbruch der Schwangerschaft“, sagt Wojcinski.

Das Problem: Erwartet eine Frau bereits ein Kind, darf der Arzt ihr ­keine Lebendimpfstoffe wie gegen Röteln verabreichen. Deshalb rät die STIKO Frauen, die schwanger werden wollen oder könnten und noch nicht geschützt sind, zu einer zweimaligen Impfung. Allen Frauen, die bisher nur eine Impfung erhalten haben, empfiehlt die Expertenkommission eine weitere. Sprechen Sie ­also rechtzeitig mit Ihrem Gynäko­logen über dieses Thema.

Mumps

Wie bei Röteln treten auch bei Mumps schwerere Krankheitsverläufe mit zunehmendem Alter häufiger auf. Doch gerade Ausbrüche im Jugend- und jüngeren Erwachsenenalter nehmen zu. „Offenbar wirkt die Mumps-Impfung nicht so zuverlässig wie etwa die gegen Masern. Im Lauf der Zeit lässt der Schutz nach, Erkrankungen treten auch bei Geimpften auf“, erläutert Expertin Koch.

Mumps kann eine Hirnhautentzündung und – in Verbindung mit einer Innenohrentzündung – Schwerhörigkeit auslösen. Bei bis zu 30 Prozent der erkrankten Männer tritt in der Folge eine Hoden- oder Nebenhodenentzündung auf, die häufig zu Unfruchtbarkeit führt.

Windpocken

Die Windpocken treffen ältere Patienten ebenfalls oft schwerer als Kinder. Eine Komplikation sei die durch Varizellen ausgelöste Lungenentzündung. Sie trete bei Erwachsenen häufiger auf als bei Kindern – nämlich bei bis zu 20 Prozent der Patien­ten, so das RKI. Zudem leiden ältere Personen meist unter mehr jucken­den Bläschen als Kinder. ­Diese sollten laut STIKO zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat immunisiert werden, eine Kombination mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung ist möglich. Die zweite Dosis folgt vier bis sechs Wochen später.

Weil die Viren zudem ungeborenen Kindern schaden können, sind Gynäkologen seit 2009 angehalten, bei jungen Frauen – besonders, wenn diese ein Baby planen – nicht nur den Schutz gegen Röteln, sondern auch den gegen Windpocken sicherzustellen. Vor allem wenn die Mutter kurz vor oder nach einer Geburt infiziert wird, ist die Gefahr für ihr Kind groß: 30 Prozent der Neugeborenen sterben, die sich auf diese Weise angesteckt haben.

Keuchhusten

Bei Säuglingen verläuft auch Keuchhusten oft besonders schwer. Beinahe alle Krankenhausbehandlungen sowie fast alle Todesfälle infolge der Krankheit betreffen laut RKI unge­impfte Babys unter sechs Monaten. Nur die Erwachsenen in der engsten Umgebung der Kinder können diese schützen, denn das Immunsystem der Kleinen hat dem Erreger noch nichts entgegenzusetzen. „Vater, Geschwister, Oma, Opa oder auch die Babysitterin: Sie alle sollten sich vor der Geburt des Kindes impfen lassen, sofern eine Auffrischung notwendig ist“, rät Gynäkologe Wojcinski.

Die STIKO empfiehlt je eine Dosis im zweiten, dritten und vierten Lebensmonat sowie eine weitere Impfung zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat. Mit fünf oder sechs Jahren sollte dann die erste Auffrischung erfolgen, zwischen 9 und 17 Jahren eine zweite. „Im Gegensatz zu Windpocken oder Röteln sind weder schon einmal erkrankte noch geimpfte Personen ein Leben lang gegen Keuchhusten immun“, sagt Koch.

Alle zehn Jahre impfen lassen

Aus diesem Grund rät die STIKO allen Erwachsenen, sich bei der nächsten fälligen Tetanus-Diphtherie-Auffrischung auch gegen Keuchhusten schützen zu lassen. Die Impfung gegen Keuchhusten ist nur als Kombination mit den beiden anderen möglich. Bei Tetanus und Diphtherie lautet die Empfehlung: alle zehn Jahre piksen lassen!

Alle „Kinderkrankheiten“ sind sehr ansteckend, ihre Erreger werden durch kleinste Tröpfchen übertragen, etwa beim Husten oder Atmen. Der Infizierte bemerkt lange nichts. Bis sich erste Symptome zeigen, ver­gehen etwa bei Masern bis zu drei Wochen. Doch bereits vor dem Ausbruch der Krankheit kann der Infizierte wiederum andere Menschen anstecken – unbemerkt.


(Quelle: Julia Rotherbl / Apotheken Umschau; 22.11.2011)
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